


Zahlenquelle: Statistisches Bundesamt
Lebendgeborene: Deutlich erkennbar ist der massive Rückgang der Lebendgeborenen im Zeitraum 19651975, und weiter seit 1990. Als Gründe werden angeführt: Freigabe der Abtreibung in der DDR um 1965, Einführung der Pille um 1965 (Pillenknick), Individualisierung (Familien-, Berufs- und Lebensgestaltung, Konsumverhalten). Zunahme der Geburten in der DDR seit etwa 1975 bis zur Wiedervereinigung.
Der Anteil der unehelichen bzw. nichtehelichen Kinder stieg seit Mitte der 70er auf mehr als das Doppelte und beträgt inzwischen rund ein Viertel aller Neugeborenen.
Totgeborene: Zur Verdeutlichung ist hier auch die Zahl der Totgeborenen aufgenommen; da sie weniger als 0,5 % der Lebendgeborenen ausmacht, ist sie in den übrigen Diagrammen nicht berücksichtigt. Seit April 1994 werden alle totgeborenen Kinder mit Gewicht von mehr als 500 Gramm (etwa 20. Woche?) erfaßt, zuvor erst ab 1000 Gramm. Manche vermuten, daß die Zahlen auch einige verschleierte Spätabtreibungen enthalten.
Die Zahl der Gestorbenen (nach der Geburt) richtet sich weitgehend nach der Bevölkerungsstruktur. In Fortsetzung des letzten Diagramms: Seit 1972 gibt es einen negativen Geburtenüberschuß bzw. Sterbefallüberschuß, d. h. es werden seit 30 Jahren weniger Kinder geboren als Menschen sterben. In 2003 betrug das Geburtendefizit etwa 143.000, nach Schätzungen wird es in 2008 bei etwa 200.000 und in 2017 bei etwa 260.000 liegen.
Abtreibungen: Eingetragen sind nur die Zahlen seit 1996, da die frühere Erfassung in Westdeutschland bzw. die Statistik 1990-1995 durch wechselnde Methodik und hohes Meldedefizit (ca. 30 % Erhöhung durch Umstellung der Meldungen zwischen 1995 und 1996) weder ausreichend genau noch vergleichbar sind. Die Zahlen sind seit 1996 weitgehend konstant, trotz abnehmender Geborenenzahlen, die "Abtreibungsneigung" steigt also. In 1996 war die Zahl der gemeldeten Abtreibungen ebenso hoch wie die Zahl der unehelich geborenen Kinder.
Im Zeitraum 1996-2002 war die Zahl der gemeldeten Abtreibungen stets höher als das Geburtendefizit. Man kann (stark vereinfachend) feststellen, daß gesamtgesellschaftlich gesehen ohne Abtreibung mit einem Schlag die erhoffte Trendumkehr in der Bevölkerungsentwicklung erreicht wäre.
Eheschließungen: Trotz hoher Scheidungsrate und damit verbunden zunehmender Häufigkeit an Wiederheirat sinkt die Zahl der Eheschließungen (Hochzeiten) im Trend seit 1960. Bemerkenswert ist, daß seit etwa 1975 die Veränderungen leicht proportional zur Veränderung der Zahl der Lebendgeborenen ist.